Digitale Transformation: Tu mehr und tu es schneller

Eines sollte uns klar sein: Wir brauchen definitiv mehr Agilität in unseren Organisationen!

Für eine Sache steht das Silicon Valley wie keine andere Region in unserer Business-Welt:

G E S C H W I N D I G K E I T !

Dieser Anspruch ist fester Bestandteil jedes Geschäftsmodells. Die High-Tech Firmen beweisen das jeden Tag aufs Neue.

Ihre größte Motivation: Die eigene „Big Idea“ in die Welt hinaus zu tragen. Und damit Dinge positiv zu verändern. Sei es nun Flatiron Health im Gesundheitsbereich. Oder Zoox, die nach eigenen Angaben am „Mobility Service der nächsten Generation“ arbeiten. Die Liste lässt sich mühelos erweitern.

Wer das Silicon Valley schon erlebt hat, merkt dennoch eines sehr schnell: Trotz vermeintlicher Ruhelosigkeit ist die Atmosphäre in den Unternehmen verhältnismäßig entspannt.

Klingt fast paradiesisch 😉

Also, woran liegt das?

Die Antworten sind sicher so vielfältig, wie das Silicon Valley selbst. Ich habe dabei allerdings nicht das tolle Freizeitangebot der Bay-Area im Kopf. Ich spreche speziell von den zahlreichen Ideen, Visionen, Menschen und Kulturen – ihrer Offenheit, ihrem Austausch untereinander und den dadurch entstehenden Spirit.

Für alle, die es gerne etwas faktischer haben:

Die Leute sind hervorragend ausgebildet oder brillante Autodidakten. Selbstbewusst und absolut ergebnisorientiert. Und das Wichtigste: Sie sprechen offen miteinander. Punkt.

Neue Herausforderungen, alte Probleme

Sicher, das Silicon Valley ist ein Zentrum mit ganz eigenen Rahmenbedingungen.

Aber: Gibt’s Erkenntnisse, die wir für die Digitale Transformation ableiten können? Speziell für Initiativen bzw. Programme in traditionellen Branchen und Industrien?

Dazu lohnt sich noch ein neuer, interessanter Blickwinkel:

Digitalisierung ist keine Herausforderung der 2000er. Mit dieser Aufgabe setzen wir Menschen uns bereits seit 70 Jahren auseinander.

Stefan Fritz, Gründer und Geschäftsführer von synaix, kommentiert dazu das passende Buch „Maschinendämmerung“ von Thomas Rid. Ein Artikel, den ich zu diesem Thema stets gerne weiterempfehle.

Bleibt die spannende Frage: Haben wir uns über die Jahrzehnte im Umgang mit der Digitalisierung weiterentwickelt?

Ich meine ein klares JA.

Dennoch, es drängt sich ein Bild auf: Der Großteil der Unternehmen aus traditionellen Branchen und Industrien bleibt hinter den Potenzialen der Digitalisierung zurück. Es sieht sogar so aus, dass sich viele Organisationen in einer negativen Endlosschleife bewegen – zumindest was die schnelle, erfolgreiche Umsetzung angeht.

Dazu ein paar Zahlen der letzten Jahre:

  • 2012 schreiben Michael Bloch, Sven Blumberg und Jürgen Laartz von McKinsey & Company darüber, wie man große IT-getriebene Projekte „on time, on budget, and on value“ umsetzt. Ausschlaggebend war u.a. ihre Feststellung, dass Projekte dieser Art im Durschnitt 45% über den geplanten Kosten und 7% über der veranschlagten Zeit liegen. Und das bei 56% weniger Wertschöpfung als prognostiziert.

Auch wenn diese Fakten sicher keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, zu denken geben sie einem allemal.

Digitale Transformation: Das Beste aus beiden Welten verbinden

Zurück ins Silicon Valley…

… und auch zurück zur Frage, was wir für die Digitale Transformation traditioneller Branchen von dort ableiten können.

Eines sollte uns deutlich geworden sein: Wir brauchen definitiv mehr Agilität in unseren Organisationen!

Und wieder einmal mehr die Bereitschaft von ALLEN, bereits ausgetretene Pfade zu verlassen.

Meiner Meinung nach sind viele Unternehmen noch auf eine zu klassische (manchmal auch starre) Art und Weise strukturiert. Das betrifft Hierarchie, Entscheidungswege und Prozesse gleichermaßen. Mal völlig davon abgesehen, dass im Digitalzeitalter ein Smartphone-Verbot am Arbeitsplatz oder gesperrte Internetseiten schon ein wenig skurril sind.

Der einzig „starre“ Prozess ist idealerweise nur einer: nämlich der, der permanenten Veränderung. Alles andere wird den sich schnell wandelnden Anforderungen nicht mehr gerecht – weder auf Markt- und Kunden-, noch auf Unternehmensseite.

Eine agile Erfolgsmethode, die tief in der Silicon Valley DNA verankert ist, heißt: „Feedback geben“. Und zwar nicht nur intern durch Vorgesetzte oder Kollegen. Sondern vor allem auch von Partner- und Kundenseite.

Eine andere Methode heißt: „Iteration“.

Zugegeben, das ist in der Softwareentwicklung Gang und Gäbe.

Um die Geschwindigkeit und den Erfolg von Transformationsprojekten zu steigern, ist dieses Vorgehen für viele traditionelle Industrien allerdings Neuland.

Vereinfacht bedeuten Feedback + Iteration ja nichts Anderes als „den Elefant in Scheiben zu zerlegen“ – somit Teilprojekte agiler umzusetzen und Ergebnisse umgehend sichtbar zu machen. Das fördert die Motivation aller Beteiligten. Und zeigt auch Risiken, Chancen und Erfolgsszenarien viel schneller auf.

Echte „Quick Wins“ werden dadurch überhaupt erst möglich.

Iteratives Vorgehen und das Lernen und Gestalten in Feedback-Systemen – beides bietet Unternehmern, Führungskräften und Mitarbeitern vor allem eines:

Mehr in kürzerer Zeit umzusetzen, um die Digitale Transformation unserer Organisationen erfolgreich voranzutreiben.

Titelbild: Anton Khrupin/Shutterstock.com

Mike Flache

Mike Flache

Mike Flache ist Unternehmer, Startup-Investor, Speaker und Berater von Innovatoren und Fortune-500-Unternehmen. Er hilft beim Aufbau von Hightech-Startups im Silicon Valley, in Europa und Asien. Als anerkannter Vordenker arbeitet er mit einigen der weltweit renommiertesten Organisationen zusammen. Die Analysten von Onalytica nannten ihn als einen der Top-10-Influencer auf dem Gebiet der digitalen Transformation.

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